In Pokerturnieren muss man sein Spiel den verschiedenen Stackgrößen anpassen !

Ein Spielzug, der mit 100 Big Blinds (auch BB genannt) optimal ist, kann mit 25 BB schon schlecht sein.

Die im Folgenden angegebenen Stackgrößen beziehen sich immer auf die effektiven Stacks, also auf den kleineren der Stacks, die im Spiel sind. bzw., eher gesagt, auf den kleineren der Stacks, von denen Ihr annehmt, dass sie im Spiel sein werden. Wenn wir also 30 BB am Button haben, ein extrem tighter Spieler mit 50 BB im Small Blind (auch SB genannt) und ein extrem looser Fisch im BB mit 15 BB sitzt, dann spielt eher den 15 BB entsprechend. Falls der BB die 50 BB hat, dann wären unsere 30 BB der effektive Stack.

Alle Angaben beziehen sich auf den effektiven Big Blind. Der eff. BB unterscheidet sich dann vom normalen BB, wenn Antes im Spiel sind. Bei Blinds von 150/300 ist der eff. BB 300, also genauso groß wie der normale BB. Bei Blinds von 150/300 mit 25er Ante und 10 Spielern am Tisch ist der eff. BB jedoch 466 [(150+300+10×25)]. Wären nur 6 Spieler am Tisch, wäre der eff. BB 400 [(150+300+6×25)(2/3)]. Der effektive BB ist also das gleiche Konzept wie Harringtons M. Ich finde den eff. BB jedoch einfacher.

75 + BB: Grundsätzlich steht euch die komplette Palette eurer Moves zur Verfügung. Man kann mit kleinen Paaren oder Suited Connectors / Suited One-Gappers in Position callen oder gegen Leute, die viel open-raisen, sogar dünn 3-betten, ohne Konsequenzen für den Stack fürchten zu müssen, und auch sonst kann man relativ unbeschwert aufspielen.

Einer der größten Fehler, den ich bei diesen Stackgrößen lange gemacht habe, war, out of Position (auch oop genannt) zu loose zu sein, zu viele Hände zu raisen. Das ist ein Fehler, unabhängig davon, ob der Tisch tight oder loose ist. Blinds zu klauen, lohnt sich in den ersten Levels beinahe überhaupt nicht. Wenn Ihr an einem tighten Tisch einen Call bekommt, habt Ihr oft die schlechtere Hand. Wenn Ihr an einem loosen Tisch einen Call bekommt, seid Ihr oft mit einer nicht so guten Hand oop. Auch gegen schlechte Gegner wird es hier schwierig, einen Profit zu erzielen.

Eine große Rolle spielt dabei auch die Vergänglichkeit eurer Chips. Spielzüge mit hoher Varianz sind eher zu vermeiden. Ein Preflop-All-in mit AKo und 150 BB ist in einem Turnier definitiv nicht gut, auch wenn Ihr wisst, dass die gegnerische Range mehr Hände als QQ+ und AK beinhaltet. Coinflips sollte man in den frühen Phasen eines Turniers vermeiden. Da wir wahrscheinlich eine Edge gegenüber dem Teilnehmerfeld haben, sind wir nicht darauf angewiesen, unser hochprofitables Turnierleben mit einem Coinflip zu riskieren, wenn wir in den kommenden Händen auf andere Weise Chips sammeln können.

Wenn die Stacks noch relativ tief sind, halte ich Potcontrol für sehr wichtig. Anfangs war mir das zu weak-tight, aber ich denke, man sollte in den frühen Levels nicht auf Teufel komm raus das letzte bisschen Value aus seinen mittelmäßigen Händen quetschen – insbesondere nicht gegen unberechenbare Spieler. Ob diese gut oder schlecht sind, ist dabei fast egal. Wenn sie, aus welchen Gründen auch immer, manchmal mit einer besseren Hand auftauchen könnten, trete ich oft auf die Bremse.

30-75 BB: In diesem Bereich wird unser Spiel das erste Mal eingeschränkt. Es ist kaum noch drin, Raises mit kleinen Paaren ausschließlich auf Setvalue zu callen. Wenn der Gegner auf 3 BB raist, bekommen wir bei Stacks von 75 BB Implied Odds von 25 zu 1. Das hört sich erstmal ganz gut an, aber die meisten Gegner werden nur selten ihren gesamten Stack rüberschieben, wenn wir treffen. Deshalb sollte bei 75 BB eigentlich die Grenze gezogen werden.

Gleiches gilt für Suited Connectors in Position. Je größer eure Edge gegenüber dem Gegner postflop ist und je looser ihr die gegnerische Range einschätzt, desto eher kann man auch noch mit weniger als 75 BB mit Suited Connectors callen, es ist aber knapp.

Bluff-3-Bets sind weiterhin möglich. Grundsätzlich sollten diese spärlich eingesetzt werden, in ihnen steckt aber sehr viel Value, weil 3-Bets in Turnieren erheblicher Respekt entgegengebracht wird.

20-30 BB: In dieser Zone sind spekulative Calls absolut tabu, weil unser Stack einfach zu klein ist, um postflop noch großartig manövrieren zu können. Auch 3-Bets werden hier zu einem Problem. Wenn der Gegner auf 3 BB raist, und ihr auf 10 BB 3-bettet, dann bekommt ihr nach einem gegnerischen All-in Odds von 2 zu 1. Ihr müsst also in 1/3 der Fälle gewinnen, bzw. 33,3% Equity haben. Beispielsweise besitzt man gegen eine Range {99+, AJs+, KQs, AQo+} mit JTs eine Equity von 33,8%. Die All-in-Range wird vielen weak-tighteren Spielern nicht gerecht, nichtsdestotrotz ist man fast dazu gezwungen, ein All-in als großer Underdog zu callen. Anders gesagt: Mit weniger als 30 BB ist 3-Bet/Fold oft sehr knapp davor, falsch zu sein. Außerdem ist die Konsequenz aus einem solchen Fold ein stark dezimierter Stack.

15-20 BB: Dies ist die Stackgröße, in der Resteals (3-Bets) all-in am besten funktionieren. Bei dieser Stackgröße ist es immer falsch, noch zu folden, nachdem man eine 3-Bet gebracht hat. Darum ist es besser, gleich selbst zu pushen. Die Bet, die der Gegner zu callen hat, ist sehr groß, was Euch eine hohe Fold Equity (FE) beschert.

Hände, die sich für eine 3-Bet all-in eignen, sind 77+, AJs+, AQo+ und Suited Connectors. Weitere Hände nach gusto, solange man nicht übertreibt. Gegen übermäßig tighte Gegner sollte man nicht bluffen, da diese einfach nicht viel in ihrer Range haben, was sie folden werden. Auch mit Euren guten Händen solltet Ihr gegen aufmerksame Gegner pushen und nicht anfangen, irgendwelche Mätzchen zu machen. Sehr oft sehe ich Limps bzw. Minraises UTG mit KK+. Das ist extrem auffällig und noch dazu total bescheuert. Desgleichen Calls mit 12 BB, nachdem dieser Spieler in den letzten Orbits nur Push/Fold gespielt hat. Man sollte mit Resteals nie übertreiben und immer überlegen, gegen wen man sie macht.

8-15 BB: Hier kommt noch eine weitere Stufe hinzu. Mit weniger als 15 BB ist es meistens ein Fehler, noch zu folden, nachdem man geraist hatte. Wenn ihr mit 11 BB auf 2,3 BB raist (gute Raisehöhe bei so kleinen Stacks), wird es haarig, wenn daraufhin jemand all-in geht. Ihr müsstet noch 8,7 BB nachlegen. Mit den Antes, den Blinds, Eurem ursprünglichen Raise und dem All-in sind aber schon etwa 15-16 BB im Pot. Ihr kriegt also wieder Odds von ca. 2 zu 1, und ein Fold ist oft ein Fehler (besonders gegen jemanden, der in so einer Situation mit vielen Händen pusht). Selbst wenn euer Fold korrekt sein sollte, weil der Gegner extrem tight ist, befindet sich Euer Stack danach in sehr schlechter Verfassung. Hände, die Ihr spielen wollt, solltet Ihr also einfach direkt pushen. A9s im Cutoff ist beispielsweise ein guter Kandidat dafür. Normal raisen solltet Ihr ausschließlich Hände, die Ihr unter keinen Umständen mehr folden werdet, also ungefähr TT+, AQ+.

3-8 BB: Ihr solltet mit einer immer größeren Range pushen, insbesondere dann, wenn die Gegner tight sind. Ihr seid jetzt darauf angewiesen, einen Coinflip (oder mit der schlechteren Hand) zu gewinnen, um weiterhin im Turnier zu bleiben und vor allem Siegchancen zu wahren.

-3 BB: Openpush mit beliebigen Karten. Ihr seid praktisch tot, und Blinds und gegebenenfalls Antes bereichern Euren Stack signifikant. Falls vor Euch gelimpt bzw. geraist wurde, pusht weiterhin nur gute Hände. Wenn Not am Mann ist, geht mit Händen All-In, die einigermaßen Equity besitzen, also Suited Connectors, Paare und natürlich hohe Karten.

 

Weitere Konzepte:

 

Die Bubble ausnutzen: Wenn Ihr kurz vor dem Geld oder in einer anderen wichtigen Bubble (zum Final Table oder vor einem größeren Sprung in den Payouts) seid, gebt Gas. Mit 8-15 BB könnt Ihr in Late Position sehr viel open-pushen, da die Gegner Angst haben zu busten. Wird zu euch im SB gefoldet, dann könnt Ihr oft mit beliebigen Karten all-in gehen. Wenn links von Euch noch Stacks sitzen, die um ein Vielfaches größer sind als Euer eigener, dann müsst Ihr etwas vorsichtiger sein, da für einen Bigstack ja keine Gefahr besteht, direkt auszuscheiden.

Stackgrößen beachten: Sitzen links von Shortstacks, dann solltet Ihr auch schon vor der Bubble viel raisen bzw. pushen. Die Gefahr des Ausscheidens erhöht Eure FE um einiges. Eine hohe FE habt ihr auch bei Gegnern mit Stacks, die nur etwas größer sind als Eurer. Nach einem Verlust eines All-ins wären sie in sehr schlechter Verfassung, was diese Gegner auch eher nicht riskieren wollen.

Auf Sieg spielen: Es ist eigentlich nie richtig, sich vor der Bubble ins Geld oder im Geld die Preisränge hinaufzufolden. Die einzigen Ausnahmen sind Satelliten, in denen alle Gewinner gleichviel bekommen (nämlich einen Platz im größeren Turnier), und Situationen, in denen Ihr einen extrem kleinen Stack habt, Euch aber gute Chancen ausrechnet, die aktuelle Bubble zu überstehen. In allen anderen Fällen gebt ihr langfristig Geld auf, wenn Ihr nicht bereit seid, marginale Spielzüge zu machen, um Euren Stack auszubauen. Am Ende von Turnieren ist es nicht möglich, weak-tight zu spielen und Chancen auf den Sieg zu haben. Wenn Ihr nicht an den richtigen Stellen Coinflips gewinnt, wird es nichts.

Viel Glück dabei!

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